Mut zum Risiko

Seit den 1990er Jahren verfolgt MAE das Ziel, die Nischen "Richten" und "Fügen" um völlig neue Produkte zu erweitern und so in dieser Technologie die Weltmarktführerschaft anzustreben. Die M-AH-, ASV- und RADS-Serien sind ein deutlicher Beweis für den Erfolg dieser Strategie.

Zu Beginn der 1990er Jahre hatte MAE mit seinem Hauptprodukt einen Marktanteil von etwa 30 Prozent in Europa. Die Maschinen wurden fast ausschließlich an Kunden der Automobilindustrie verkauft. Für mögliche andere Anwender schienen die hohen Einstiegsinvestitionen unrentabel zu sein.

Fokus auf die Stärken

Um mit dem Kernprodukt "automatische Richtmaschine" den Marktanteil zu erhöhen, musste die Maschine so umgebaut werden, dass die Produktionskosten bei gleichzeitiger Leistungssteigerung sanken. Das kam einer Neuerfindung des gesamten Richtkonzepts gleich.

Ein erster Schritt in diese Richtung war 1990 die Präsentation der Kleinteil-Richtmaschine der Baureihe AVS. Ein ausgeklügelter elektromechanischer Stößelantrieb ersetzte die bis dahin übliche Hydraulikachse. Die Aufwendungen und die Leistungsfähigkeit des neuen Konzeptes waren derart vielversprechend, dass man Möglichkeiten erkundete, auch Anlagen mit höheren Lasten elektromechanisch anzutreiben.

Die automatische Richtmaschine neu gedacht

Mit einer völlig neuartigen elektromechanischen Konstruktion stellte die M-AH-Serie alle bis dahin bekannten Richtmaschinenkonzepte in Frage. Die rotierende Stößelbewegung und der auch für hohe Kräfte einsetzbare elektromechanische Hauptantrieb waren revolutionär. Erneut wurde der Mut, unkonventionelle Lösungen zu erfinden, vom Markt reichlich belohnt: Einschließlich der von Hess in Lizenz produzierten Anlagen wurden seit 1992 bis heute über 1.200 Maschinen verkauft.

Auch das ehrgeizige Kostenziel konnte voll erreicht werden, nachdem MAE 1994 mit der erstmaligen Nutzung eines Industrie-PCs als Richtrechner einen weiteren Meilenstein gesetzt hatte.

Zu dieser Zeit wurde die langjährige Zusammenarbeit mit Feinprüf unter anderem aus technischen Gründen aufgegeben.

Um die völlig neue Richtmesssteuerung RICOS weiterzuentwickeln, hat seither Lachmann & Rink aus Littfeld die bedienungsfreundliche Software entsprechend der MAE-Lastenheftvorgaben und Kundenanforderungen geschrieben.

Eine Erfolgsgeschichte

Gegen Ende der 1990er Jahre wurden allein mit er Baureihe M-AH über zwei Drittel des Gesamtumsatzes erreicht. Die Maschinen machten das automatische Richten auch für mittelständische Kunden attraktiv.

MAE hat sich seit dieser Zeit im Bereich des automatischen Richtens als ein Technologieführer durchgesetzt. Neue Anwendungen für Bohrer, sowie durchgehärtete oder profilierte Teile haben diese Position ebenso gefestigt wie viele neuartige Softwareideen. Um das Spektrum automatisch richtbarer Teile aber weiter zu vergrößern, waren zusätzliche Maschinenentwicklungen erforderlich.

Größer, stärker, effizienter

Zum Richten besonders großer Bauteile wurde 2002 die Baureihe ASV vorgestellt. Mit 1.600 kN Richtkraft und 4.000 mm Werkstücklänge war sie damals die stärkste und größte automatische Richtanlage der Welt. Das platzsparende Fahrständerkonzept war eine ebenso mutige Idee, wie der verblüffend einfache und effektive Hydraulikantrieb BiPAC.

Für das Richten räumlich verformter Bauteile hat MAE dreidimensional arbeitende Richtanlagen konzipiert und realisiert, etwa für Getriebeschaltgabeln und Fahrwerksstrukturteile.

2003 konnte mit dem Konti-Richtprinzip eine preiswerte und umrüstfreundliche Lösung zum Richten langer, stabförmiger Bauteile entwickelt werden. Statt vieler einzelner war jetzt nur noch ein einziger Messtaster erforderlich.

2005 - ein weiterer Höhepunkt: MAE realisierte die mit Abstand größte hydraulische Presse der Firmengeschichte. Mit der für ein Edelstahlwerk bestimmten Stabstahl-Richtmaschine konnten Richtkräfte von bis zu 10.000 kN erzeugt und Werkstücke bis 350 mm Durchmesser und 20 m Länge bearbeitet werden. Damit markierte das Unternehmen zu diesem Zeitpunkt erneut die Weltspitze und erschloss einen offensichtlich sehr aufnahmefähigen Markt: Innerhalb von nur zwölf Monaten konnten drei weitere, ähnliche Großanlagen verkauft werden.

Innovationstreiber MAE

Eine weitere Neuerung war 2005 das neue Richtprinzip "Varius". Das Verfahren ermöglichte es erstmals, die Biegerichtkräfte nicht punktförmig, sondern gleichmäßig über eine große Länge verteilt einzubringen. Dies vermied einerseits Knicke und unnötig hohe Werkstückbelastungen. Es erlaubte andererseits, auch lange, schlanke Bauteile auf Toleranzen bis unter 0,01 mm zu richten.

Für den Produktbereich Radsatzpressen sind seit Anfang der 90er Jahre ebenfalls viele Innovationen realisiert worden. Die ehemals recht einfachen, rein manuell bedienten Maschinen werden seit Mitte der 2000er Jahre im vollautomatischen Ablauf betrieben. Die MAE eigene Radsatzpressensteuerung RACOS und selbsttätig wirkende Be- und Entladekonzepte mit automatischen Manipulatoren garantieren noch heute eine rationelle Fertigung. Die Bearbeitungszeit konnte durch diese Neuerungen um 80 Prozent reduziert werden.

Unabhängig von der stürmischen Produktentwicklung gab es von Anfang der 90er bis in die Mitte der 2000er Jahre weitere für MAE wichtige Ereignisse:

MAE weiter auf Wachstumskurs

Von der Müller-Weingarten AG konnte 1991 das Eitel-Richtpressenprogramm übernommen werden. MAE ist seitdem für den Service an allen manuellen und automatischen Eitel-Richtanlagen zuständig, der gesamte Zeichnungsbestand lagert in Erkrath. Müller-Weingarten hatte dieses Programm aus der Eitel-Konkursmasse gekauft und die Pressen für einige Jahre unter eigenem Namen weiter vertrieben.

1991 war auch der Startschuss für eine Ausweitung des Vertriebsgebiets in die asiatischen Länder. Automatische Richtmaschinen und Radsatzpressen werden seitdem auch in China, Taiwan, Indien und Korea verkauft, um nur ein paar zu nennen. Auch in Südamerika konnte die Präsenz in dieser Zeit deutlich verbessert werden.

Alles geht einmal zu Ende

1997 war ein für MAE bedeutungsvolles Jahr: Da Rüdiger Götzen in der vierten Generation keine für die Weiterführung des Unternehmens geeignete Persönlichkeit fand, suchte er ungewöhnlich früh nach einer Lösung der bei Familienunternehmen immer wieder sehr kritischen Nachfolgefrage. Er entschied sich schließlich für den Verkauf der MAE an die Wuppertaler Industrieholding GESCO. Diese junge, damals von Willi Back geführte Aktiengesellschaft hatte sich auf die Übernahme gesunder, mittelständischer Unternehmen im näheren Umkreis spezialisiert. Charakteristisch war, dass die Alt-Eigentümer weiterhin als Geschäftsführer zur Verfügung standen und die übernommenen Betriebe im operativen Geschäft weitgehend selbstständig agieren konnten, was auch heute noch so ist. Die von den Mitarbeitenden anfangs durchaus kritisch betrachtete Übernahme war für MAE im Rückblick gesehen absolut positiv. Auch die Belegschaft kann sich seit dem Börsengang der GESCO durch Aktienkauf indirekt am Erfolg der MAE beteiligen.

2001 ging Manfred Deutschewitz nach 40 Jahren MAE in den wohlverdienten Ruhestand. Seine Geschäftsführerposition wurde nicht wieder besetzt. Rüdiger Götzen war seitdem Alleingeschäftsführer.

Der Pöting-Umsatz war auch in den 90er Jahren ständig gesunken. 2005 erfolgte dann mit der Liquidation der Walter Pöting KG das endgültige Aus dieser langjährigen, für MAE außerordentlich glücklichen Zusammenarbeit.

Und immer wieder Eitel

Im Jahr 2006 trafen sich die Wege der Unternehmen Eitel und MAE ein weiteres Mal: 1997 gründete die US-Tochterfirma der ehemaligen Eitel KG in der Schweiz die Eitel Presses International, um die in den USA hergestellten Richtautomaten auch in Europa zu vertreiben und zu bauen. Trotz beachtlicher, für MAE häufig empfindlicher Erfolge musste das Unternehmen Konkurs anmelden. MAE übernahm einen Großteil des Personals und gründete die in der Schweiz ansässige Firma MAE.ch mit dem Geschäftsführer Robert Singer. Von dort aus wurden vor allem Vertriebs- und Servicetätigkeiten im südeuropäischen Raum durchgeführt.

Der Platz reichte einfach nicht

Die anspruchsvollen und komplexen neuen Produkte erforderten zusätzliche Mitarbeitende und vergrößerte Räumlichkeiten in allen Abteilungen, vom Entwurf bis zur Inbetriebnahme. Die Beschäftigtenzahl erhöhte sich daher in den Jahren von 2000 bis 2005 einschließlich der Auszubildenden von 80 auf über 100.

Entsprechend den gewachsenen Anforderungen wurden 2002 die Montageflächen durch eine zusätzliche Halle erweitert, die nun die Hydro- und die Pöting-Halle miteinander verband. So war es möglich, auch sehr großräumige, schwere Maschinen rationell zu montieren.

Ebenfalls 2002 erfolgte eine Vergrößerung des Verwaltungsgebäudes, um Platz für weitere Mitarbeitende im Technischen Büro und im Vertrieb zu schaffen. Weitere Investitionen betrafen die mechanische Fertigung: 2004 und 2005 beschaffte man einige neue, erstmals numerisch gesteuerte Maschinen und verstärkte den Mitarbeiterstamm. Mit einer neuen Vorsatzfassade an den Fertigungsgebäuden verbesserte sich auch das äußerliche Erscheinungsbild des Unternehmens deutlich.

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MAE - ein Unternehmen der Gesco Gruppe

GESCO: Spezialist für Nachfolgefragen im Mittelstand

Die GESCO AG erwirbt als Langfrist-Investor erfolgreiche Unternehmen des industriellen Mittelstands. Seit der Gründung 1989 hat GESCO eine starke Gruppe von „Hidden Champions“, Markt- und Technologieführern aufgebaut. 1998 ging es an die Börse, die GESCO-Aktie ist im Prime Standard notiert.

Die GESCO-Tätigkeiten verstehen sich als langfristig und nachhaltig. Dabei setzen GESCO bewährte Geschäftsmodelle fort und entwickeln sie weiter. Die zentrale Aufgabe besteht darin, Wachstumspotenziale zu nutzen und die Zukunftsfähigkeit der Gruppe langfristig zu sichern. So werden Mehrwerte für die Aktionärinnen und Aktionäre, die Belegschaften, Kunden, Lieferanten und Geschäftspartner aller Art geschaffen.