Fortschritt in der Nische

Die 70er und 80er Jahre waren bei MAE von der zunehmenden Konzentration auf sehr spezielle, anspruchsvolle Aufgabengebiete geprägt. Neben dem Richten zählten auch andere Sonderanwendungen für hydraulische Pressen dazu.

Es zeichnete sich bereits Ende der 60er Jahre ab, dass der Wettbewerbsdruck im Bereich der Standardpressen weiter zunehmen würde. Im Vergleich war MAE ein eher kleines Unternehmen, das langfristig nur überleben konnte, wenn es sich auf wenige Marktnischen konzentrierte, in denen auch ein Mittelständler eine starke Position aufbauen konnte.

Richten als bedeutende Nische

Die bis heute mit Abstand wichtigste Nische bildete der Bau von Richtpressen. Hier forderte der Markt, insbesondere die Automobilindustrie, eine Abkehr vom bis dahin ausschließlich manuell gesteuerten Prozess und die Entwicklung einer automatisch gesteuerten Anlage. Man wollte unabhängig sein vom Geschick "des Richters" und einen prozesssicheren, kontrollierbaren Betrieb erreichen.

Die erste automatische MAE Richtmaschine

Die Kölner Ford-Werke suchten Ende der 60er Jahre nach Lieferanten für eine größere Anzahl automatisch gesteuerter Richtmaschinen. MAE verhandelte noch über eine Beteiligung an Entwicklungsaufwänden, als ein italienischer Wettbewerber völlig überraschend eine auf eigene Rechnung entwickelte Pilotanlage in Köln präsentierte. Nun war Eile geboten. Um den für die Zukunft vielversprechenden Markt nicht zu verlieren, führte MAE die Entwicklung für einen Richtautomaten ebenfalls ohne Kundenauftrag aus. Zusammen mit dem für die Mess- und Regeltechnik beauftragten Entwicklungspartner, Mahr-Feinprüf aus Göttingen, konnte man in recht kurzer Zeit die automatische Richtmaschine der Baureihe ARM fertigstellen. Sie war ähnlich wie eine manuelle Presse als C-Gestell mit motorisch verfahrendem Richtwagen und Werkstückdrehantrieb ausgeführt. Die Hubeinstellung übernahm ein modifizierter Steuerblock aus der Baureihe S RH mit einem angeflanschten Schrittmotor. Messwertaufnahme und Hubbestimmung erfolgten mit einem Feinprüf-Analogrechner.

Aller Anfang ist schwer

Nach Fertigstellung der ersten automatischen Richtmaschine konnte Ford 1974 als erster Kunde gewonnen werden. Der Auftrag umfasste sechs identische Anlagen für das Werk in Bordeaux, Frankreich, und eine für Valencia, Italien. Es war ein mutiger Schritt, diese noch kaum erprobten Anlagen in einer solch hohen Stückzahl auszuliefern. Trotz erheblicher Nacharbeitungsaufwände vor Ort konnten die Maschinen jedoch erfolgreich übergeben werden und waren über 25 Jahre in Betrieb. Damit hatte sich MAE in dieser Marktnische. In der Folge wurden automatische Richtmaschinen an alle wichtigen europäischen Automobilhersteller geliefert.

Auf Erfolgskurs

Die C-Gestelle wurden rasch durch die besser in Fertigungslinien einsetzbaren Doppelständerbaureihen ADS und ADSF ersetzt, die für fast 20 Jahre einen Standard setzten. Der Markterfolg war erheblich. Trotz des recht hohen Preises und einiger starker Wettbewerber konnten in den 80er Jahren im Durchschnitt jährlich etwa 10 bis 15 Maschinen verkauft werden.

Die Zusammenarbeit mit der Firma Feinprüf gestaltete sich ausgesprochen positiv und erfolgreich. Bald konnte der Schritt zum mikroprozessorgesteuerten Richtrechner vollzogen werden. Die Qualität der zugehörigen Software wurde schnell zu einem für die Gesamtleistung der Maschine entscheidenden Leistungsmerkmal. Mit jeder ausgelieferten Richtmaschine konnte MAE sein Erfahrungspotential erweitern und die Steuerung kontinuierlich verbessern.

Ein wichtiger Meilenstein war 1980 der erste Einsatz einer speicherprogrammierbaren Ablaufsteuerung (SPS).  Erstmals bestand die Möglichkeit, Bewegungsabläufe noch während der Inbetriebnahme komfortable zu ändern und zu optimieren, ohne Steuerkabel und Schütze aufwändig neu installieren zu müssen.

Wichtige Veränderungen

Als weiteres Standbein wurden die mit komplizierten Werkzeugen und Verkettungen ausgestatteten Montagemaschinen der Baureihen MM und WP zunehmend wichtig. Auch sie fanden ihr Absatzgebiet vor allem im Automobilsektor.

Der Anteil der einfachen Standardpressen ging erwartungsgemäß zurück. Der Umsatzanteil der Einständerpressen fiel in den 70er und 80er Jahren von etwa 50 auf nurmehr 10 Prozent ab. Rückläufig war auch die Auftragsproduktion für Pöting. Bedingt durch eine Marktsättigung und starkem Wettbewerb sank der mit Pöting realisierte Umsatz langsam aber stetig.

Erneuter Führungswechsel

1976 begann Rüdiger Götzen als Vertreter der dritten Generation seine Tätigkeit im Unternehmen. Der Sohn von Hermann Götzen war mit einem kaufmännischen Studium für seine Aufgabe als Geschäftsführer gut vorbereitet. Zusammen mit Manfred Deutschewitz war er in hohem Maße für den Vertrieb der anspruchsvollen Produkte zuständig.

Des einen Leid ist des anderen Freud

1977 musste der in einigen Segmenten wichtigste Wettbewerber Eitel überraschend Konkurs anmelden. Das renommierte Unternehmen hatte sich offensichtlich mit einem für seine Größe ungewöhnlich breiten Fertigungsprogramm und den damit verbundenen finanziellen Risiken übernommen. Für MAE bot sich in dieser Situation die Chance, in laufende Projekte "einzusteigen" und vor allem den Kontakt zu wichtigen Handelsvertretungen im In- und Ausland zu knüpfen. Die abgeschlossenen Verträge sind zum Teil noch heute gültig.

Expansion

War MAE mit den Standardanlagen bisher im Wesentlichen bei mittelständischen Kunden vertreten, so wurde mit dem Richtautomatengeschäft die Automobilindustrie zum Hauptabnehmerkreis. MAE konnte sich aus dem Stand heraus durch gute, robuste Anlagen sowie einen schnellen Service behaupten und war bald ein anerkannter und oft bevorzugter Lieferant.

Die Entscheidung zur relativ schmalen Nische bedeutete jedoch auch, dass man die Maschinen weltweit vertreiben musste, um auskömmliche Stückzahlen zu erreichen. Über die Kontakte zu den Handelsvertretungen hinaus war eine Ausrichtung und Verstärkung des Vertriebs die logische Konsequenz. So konnte in den frühen 80er Jahren der Exportanteil deutlich gesteigert werden. Vor allem in Frankreich und England war man erfolgreich, ebenso in der UdSSR, der DDR und der Tschechoslowakei. Ende der 80er Jahre präsentierte sich MAE als flexibler und schlagkräftiger Mittelständler mit motivierten und qualifizierten Mitarbeitenden.

Maschinen brauchen Platz

Den neuen, recht großflächigen und schweren Anlagen entsprechend mussten die Montageflächen vergrößert werden. 1978 wurde dazu die für die MAE Pressen verwendete "Hydrohalle" mit einem großzügigen Anbau erweitert. Die deutlich größere Höhe und ausreichende Krankapazitäten erlaubten auch die rationelle Montage großer Umform- und Radsatzpressen. Die vor allem für die Montage der Glaspressen verwendete "Pöting-Halle" wurde bis 1985 fast vollständig neu errichtet. Für die deutlich vergrößerten Verwaltungsbereiche baute man 1980 ein eigenes Bürogebäude in Fertigbauweise. Die Sanierung der Gebäude der mechanischen Fertigung, die Schaltschrankmontage und der Büroflächen im Altbau sowie der Neubau einer Kaltlagerhalle waren weitere Investitionen bis 1989.

Wichtige Neuanschaffungen betrafen auch den Verwaltungsbereich. Während die kaufmännische Datenverarbeitung zunächst von einem externen Unternehmen abgewickelt wurde, legte man mit CAD-Arbeitsplätzen im Technischen Büro einen ersten Grundstein für eine eigene EDV. Die Elektrokonstruktion wurde ab 1986, die Mechanikkonstruktion ab 1987 mit Personalcomputern ausgestattet, wodurch Flexibilität und Durchlaufzeit deutlich verbessert werden konnten.

Zielmarkt USA

Ende der 80er Jahre wurde die Verbindung zur Firma Hess-Engineering in Edwardsburg, USA, geknüpft, die die automatischen und manuellen MAE Richtpressen für den amerikanischen Markt anpasste. So konnte MAE sich diesen wichtigen Markt zunächst sichern und dem Umstand Rechnung tragen, dass US-Amerikaner im Zweifel eben doch lieber eine einheimische Maschine kaufen.

In der Nische zu Hause

Die Richt- und Montageanlagen hatten in den 80er Jahren bereits einen Umsatzanteil von etwa 70 Prozent, etwa 20 Prozent entfielen auf die Pöting-Maschinen. Nurmehr 10 Prozent verblieben für das Standardprogramm der hydraulischen Pressen. Damit hatte man die Entwicklung zum weltweit operierenden Nischenanbieter erfolgreich auf den Weg gebracht.

Die Zeitperiode von 1970 bis 1989 war auch von deutlichen Konjunkturschwankungen gekennzeichnet. MAE zeigte sich durch die recht breite Angebotspalette, aber auch durch den noch deutlicheren Umsatzanteil der Pöting-Maschinen recht robust. Die solide Finanzpolitik erlaubte es, auch in schlechteren Zeiten betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden. Die Zahl der Mitarbeitenden blieb in dieser Zeitspanne praktisch konstant bei 80.

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